Suchtprävention in Unternehmen

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Sucht ist eine Krankheit (def. WHO), die zwar immer noch tabuisiert wird, aber jeden von uns treffen kann. Wir sprechen hier von Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit, Essstörungen oder Spielsucht und immer mehr verbreitet auch der Internetsucht.

Sucht belastet nicht nur die Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern in hohem Maße auch das Unternehmen. So fehlen alkoholabhängige MitarbeiterInnen 2,5-mal öfter im Jahr wie Nichtabhängige. Sie sind 3,5-mal häufiger in Arbeitsunfällen verwickelt und nach Unfällen 1,4-mal so lang im Krankenstand!

Fakten und Zahlen


Statistiken für Österreich

  • Nikotin: Ca. 2 Mio. Raucher
    Ca. 850.000 Nikotinabhängige
  • Alkohol: 330.000 Alkoholabhängige
    900.000 Gefährdete
    8.000 Todesopfer/Jahr
  • Medikamente: 110.000 Abhängige
  • Arbeitssucht: 20.000 Abhängige
  • Spielsucht: 56.000 pathologische Spieler
  • Internet: 50.000 Abhängige
  • Illegale Drogen: 20.000 bis 30.000 Abhängige

Warum betriebliche Suchtprävention einen wesentlichen Faktor in der betrieblichen Gesundheitsförderung darstellt: Abgesehen von den Fehlzeiten und Leistungseinbußen ist es bezeichnend, dass jeder Suchtkranke meist ein Umfeld von Co-Abhängigen schafft.

Co-Abhängigkeit

Die Abhängigkeit eines Menschen hat auch für die Menschen in seiner Umgebung (Familie, Freunde, Arbeitskollegen usw.) Auswirkungen. Diese Bezugspersonen merken oft lange nicht, wie stark auch sie in das Suchtgeschehen verwoben, wie sie co-abhängig sind. Gegenüber Abhängigen wird aus mitmenschlicher Hilfsbereitschaft sehr schnell eine Unterstützung der Sucht. Unzuverlässigkeit, Fehler und Minderleistungen werden von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten übersehen und kaschiert. Das Problem mit dem Suchtmittel wird bagatellisiert und verheimlicht. Betroffene werden geschützt. Es entsteht für sie ein Schonraum. Gleichzeitig wird ihnen ein großer Teil ihrer Eigenverantwortung abgenommen.

Hier höre ich von SeminarteilnehmerInnen oft,
dass sie sowas niemals tun würden. Bedenken Sie jedoch, dass in der Praxis die Beziehungsebene und die emotionale Ebene eine erhebliche Rolle spielen. Stellen Sie sich vor, ein Kollege mit dem Sie seit 8 Jahren zusammenarbeiten, der Sie vielleicht auch öfter unterstützt hat oder mit dem Sie auch privat gut auskommen. Bei diesem Kollegen bemerken Sie, dass er seit einiger Zeit ein Alkoholproblem hat. Er bittet Sie, nichts weiterzusagen, er habe zurzeit nur private Schwierigkeiten und alles würde sich in Kürze wieder geben. Werden Sie Verständnis aufbringen? Ich denke ≥ja≥! Ein paar Tage danach ist er längere Zeit nicht auf seinem Arbeitsplatz aufzufinden und Sie können sich denken, dass er schnell was trinken gegangen ist.

Ihr Chef kommt vorbei und fragt nach ihrem Arbeitskollegen (wie gesagt, Sie arbeiten mit ihm seit 8 Jahren zusammen und verstehen sich sehr gut). Wie werden Sie reagieren? Sagen Sie ihrem Chef er sei gerade auf der Toilette? Ihr Kollege könnte Sie ja auch darum bitten, diese Notlüge für ihn zu äußern, ≥denn wenn ich jetzt auch noch berufliche Probleme dazu bekomme, dann ist es ganz aus≥. Vermutlich werden Sie seine Situation verstehen und diese Notlüge für ihn tun. Jetzt sind Sie bereits in Phase 1 der Co-Abhängigkeit. (Gegenüber Abhängigen wird aus mitmenschlicher Hilfsbereitschaft sehr schnell eine Unterstützung der Sucht.)

Dieses so genannte co-abhängige Verhalten

entsteht in der Umgebung fast jedes suchtkranken Menschen. Die nahen Bezugspersonen in der Familie und am Arbeitsplatz glauben, der betroffenen Person auf diese Art zu helfen und sie oder ihn so vor weiterem Schaden zu bewahren. Im Resultat verlängern sie damit den Krankheitsverlauf, denn sie fangen die negativen Folgen des Suchtmittelmissbrauchs auf und federn sie ab. Damit verhindern sie wichtige Erfahrungen für den Suchtkranken und verringern seine Chancen, das eigene Problem frühzeitig zu erkennen und eine eigene Motivation zur Veränderung zu entwickeln.

3 Phasen der Co-Abhängigkeit

Man unterscheidet drei Phasen, die hintereinander und auch wiederkehrend durchlaufen werden können

Phase 1: Beschützer- und Erklärungsphase

  • es wird Nachsicht geübt
  • Verständnis für vieles Trinken
  • Zuwendung durch Aufmerksamkeit und Mitgefühl
  • Verdrängung der Realität
  • Ermunterung durch Selbstdisziplin
  • Empfehlungen

 

Phase 2: Kontrollphase

  • Problemsuche
  • Trinken wird zugedeckt und verheimlicht
  • Aufgaben und Probleme des Betroffenen werden übernommen
  • Mitleid mit den Angehörigen

Phase 3: Anklagephase

  • Beobachtung und Überwachung
  • Aggressionen
  • Isolierung und Ausgrenzung
  • Verachtung
  • Abwenden vom Betroffenen (Kündigung, Scheidung u.s.w.)

Diese Phasen können einen Zeitraum von einigen Jahren einnehmen. In der 3. Phase sind meist auch die Co-Abhängigen Personen schon völlig überfordert und am Ende Ihrer Kräfte. Burn out ist hier keine Seltenheit.

Typische Anzeichen einer beginnenden Sucht

Fehlzeiten: Krankheiten häufen sich, vor allem Kurkrankenstände, Entschuldigungen durch den Partner oder Kollegen häufen sich, Abwesenheiten vom Arbeitsplatz, teils ist der Mitarbeiter nicht auffindbar

Leistungseinbußen: Arbeiten müssen von Kollegen übernommen werden (um Termine einzuhalten bzw. um Fehler auszubessern), Flexibilität, Lernbereitschaft und Gedächtnis lassen nach; Unzuverlässigkeit

Verhaltensänderungen: Reizbarkeit (bezieht z.B. jede Kritik auf sich) wechselt mit Gelassenheit ab, Gesprächigkeit: gesellig, aggressiv, beleidigt – wiederholt sich)

Äußeres Erscheinen: Der/die Betroffene hat gelegentlich eine Fahne oder riecht nach Pfefferminzbonbons etc. oder versucht, das Gegenüber nicht anzuatmen, schwitzt, zittert mit den Händen, vernachlässigt sein Aussehen

Kommunikation: Trinkverhalten, der/die Betroffene versucht Mitleid für familiäre Schwierigkeiten zu erlangen, versucht, sich beliebt zu halten, versucht zunächst mit anderen zu trinken, nach Abmahnung – zur Schau -Mineral, verliert bei Feiern die Kontrolle über seine Trinkmenge, versteckt Alkoholdepots in Ordnern, Thermoskannen etc.

Wenn hier auch Beispiele von Alkoholabhängigkeit oder Drogenabhängig aufgezeigt werden, so muss gesagt sein, dass auch bei Verhaltenssüchte wie Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht, etc. genau das gleiche Verhaltensmuster stattfindet. Nicht die Substanz ist entscheidend sondern das Suchtverhalten und dessen Auswirkungen.

Aufgaben der Betrieblichen Suchtprävention

  • Prävention:
    z.B. Informationsveranstaltungen für alle MitarbeiterInnen des Betriebes
  • Schulung von Vorgesetzten
    Informationen zum Thema Drogen und Suchterkrankung sowie zu rechtlichen Fragen, Schulungen zur Gesprächsführung, Erstellen eines Stufenplanes für den Anlassfall
  • Einzelfallarbeit
    Motivationsarbeit, Hilfestellung bei der Einleitung von ambulanten oder stationären Therapien, Angehörigenarbeit, Hilfestellung bei der Wiedereingliederung in den Betrieb
  • Kontaktpflege und Zusammenarbeit
    mit Facheinrichtungen (Beratungsstellen, Kliniken, Selbsthilfegruppen)

Helmut Siebenmorgen, Artikel Erfolgsmagazin

Wenn Sie auch in Ihrem Betrieb ein Seminar zur Suchtprävention veranstalten möchten, dann kontaktieren Sie uns bitte unter: ÖIGT Österreichisches Institut für Ganzheitliche Therapie
Helmut Siebenmorgen
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