Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen nach ICD10

Tief verwurzelte, anhaltende, stabile und von der Mehrheit der Bevölkerung deutlich abweichende Reaktionen bezüglich Wahrnehmung, Denken, Fühlen, Verhalten und Sozialkontakten, in Verbindung mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Leidensdruck und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit.

Die gestörte Persönlichkeitsentwicklung hat meist in der späten Kindheit oder Jugendzeit begonnen und bis in das Erwachsenenalter angehalten. Das Erscheinungsbild ist nicht Folge einer Erkrankung des Gehirns oder einer psychischen Störung (dies wäre Persönlichkeitsveränderung).

Von der Definition her ist ein wesentlicher Persönlichkeitswandel nicht oder nur schwer möglich, eine Psychotherapie kann jedoch helfen, besser mit der jeweiligen Wesensart zurechtzukommen.

Persönlichkeitsstörungen (hier nicht ausführlich beschrieben)
Paranoide Persönlichkeitsstörung (misstrauisch u.a.)
Schizoide Persönlichkeitsstörung (affektiv und sozial distanziert u.a.)
Dissoziale Persönlichkeitsstörung (unsozial, aggressiv, delinquent)
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (affektlabil u.a.)
Impulsiver Typ (Unberechenbarkeit, Impulsivität, Wut, Gewalt u.a.)
Borderlinetyp (Selbstbild-Störung, instabile Beziehungen, Leere u.a)
Histrionische Persönlichkeitsstörung (dramatisierend u.a.)
Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (rigide, starr u.a.)
Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (Vermeidung u.a.)
Abhängige Persönlichkeitsstörung (abhängig von anderen Menschen)
Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen (z.B. narzisstische)
Kombinierte und sonstige Persönlichkeitsstörungen
Kombinierte Persönlichkeitsstörungen (mehrere F60-Diagnosen)
Andauernde Persönlichkeitsänderungen, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

Eindeutige, seit mehr als zwei Jahren anhaltende Änderungen in Wahrnehmung, Denken, Selbst- und Umweltbezug in der Folge einer Extrembelastung (Trauma), z.B. Misstrauen, sozialer Rückzug, innere Leere und Hoffnungslosigkeit, ständige Nervosität ohne aktuelle Ursachen, Gefühle der Entfremdung sich selbst und der Umwelt gegenüber, stark beeinträchtigte soziale Funktionsfähigkeit.

Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit
Über zwei Jahre dauernde Persönlichkeitsveränderung als Folge einer schweren psychiatrischen Erkrankung, von der die Betroffenen klinisch ohne Residualsymptome genesen sind, z.B. Abhängigkeit von anderen, Passivität, Vernachlässigung früherer Aktivitäten, sozialer Rückzug oder Isolation, veränderte Selbstwahrnehmung, Affektstörung, Beeinträchtigung der sozialen Funktionsfähigkeit.